„Wie mit kranken und sterbenden Menschen umgegangen wird, ist für mich ein Gradmesser der Menschlichkeit einer Gesellschaft“, sagte Arbeits- und Sozialministerin Dr. Monika Stolz am 16. Januar in Ulm. „Die Palliativversorgung ist eine Herausforderung für die ganze Gesellschaft. Wir müssen sterbenskranken Menschen ein würdiges Leben bis zum Tod ermöglichen. Das ist nicht nur eine Aufgabe der Medizin. Vielmehr ist es eine wichtige und unverzichtbare Aufgabe jeder menschlichen Gesellschaft“, erklärte die Ministerin bei der Veranstaltung des Hartmannbundes zur Palliativversorgung.
Vorrangige Ziele der Palliativmedizin sollten sein – wie bei der Hospizbewegung auch – das Leiden Sterbenskranker zu lindern, ihnen zu ermöglichen, in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben und auch den Angehörigen beizustehen. Ziel der Hospizbewegung ist es, den Umgang mit dem Sterben zu verändern. Stolz sagte: „Die Hospizbewegung ist zu einer sehr breiten Bewegung geworden, in der sich allein in Baden-Württemberg rund 6.000 Ehrenamtliche engagieren.“ Heute gibt es in Baden-Württemberg 250 ambulante Hospizdienste, 17 ambulante Kinder- und Jugendhospizdienste und 20 stationäre Hospize mit 156 Betten.
Die Ministerin würdigte: „Palliativmedizin und Hospizbewegung haben viel erreicht, dennoch gibt es immer auch noch viel zu tun.“ So würden 95 Prozent der Menschen den Wunsch äußern zu Hause zu sterben. 70 Prozent aller Menschen sterben in Deutschland aber in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Mit der 2007 in den Leistungskatalog der Krankenversicherung aufgenommenen, so genannten Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung, sollte sich dies ändern.
„Sie soll Menschen ermöglichen, ihrem Wunsch entsprechend in ihrer häuslichen Umgebung im Kreis ihrer Angehörigen sterben zu können“, erläuterte Stolz. Doch leider würde sich die flächendeckende Umsetzung noch verzögern. Zwar könne sie auf die Vertragsverhandlungen keinen direkten Einfluss nehmen, aber ihr liege schon sehr daran, dass die „Vertragsverhandlungen nun bald zu einem Abschluss kommen“, betonte die Ministerin.
Ebenso legt die Ministerin Wert darauf, dass Palliativversorgung mehr ist, als nur Schmerzmedizin. „Am Ende seines Lebens braucht ein sterbender Mensch nicht nur medizinische Hilfe, er braucht auch Zuwendung und Unterstützung“, sagte Stolz und betonte: „Eine optimale Palliativversorgung umfasst auch die psychosoziale Begleitung und den emotionalen Beistand der Sterbenden und ihrer Angehörigen. Sie erfordert das multidisziplinäre Zusammenwirken von Pflegekräften, Ärzteschaft, Sozialarbeit, Theologen und ehrenamtlich arbeitenden Hospizhelferinnen und -helfern.“ Daher müsse verhindert werden, dass Palliativmedizin und Hospizbewegung getrennte Wege gehen.
Palliativversorgung erfordere die fachliche Kompetenz von qualifizierten Medizinern und Pflegefachkräften, aber diese fachliche Kompetenz allein reiche für eine optimale Palliativversorgung nicht aus. „Ohne das ehrenamtliche Engagement der Hospizbewegung und ohne einen veränderten Umgang mit dem Sterben und dem Tod in der Gesellschaft werden wir keine optimale Palliativversorgung erreichen können“, so Stolz. „Hospizarbeit und Palliativmedizin gehören zusammen. Sie zusammen können ein Sterben in Würde entsprechend den Wünschen und Bedürfnissen des Einzelnen ermöglichen.“
Quelle: Sozialministerium Baden-Württemberg
(
www.sozialministerium-bw.de)