Am 4. und 5. Dezember fand in Jena der Thüringer Pflegetag und der Thüringer Palliativpflegetag statt. Unter dem Thema „Pflege zwischen Reform und Notstand - Herausforderungen für den Pflegealltag“ richtete sich die Veranstaltung an Interessenten aus allen Bereichen der Pflegewissenschaft und Pflegepraxis sowie an Krankenhausträger und Pflegeeinrichtungen. Etwa 500 Teilnehmer konnten in Jena begrüßt werden.
Nach wie vor steht die Pflege im großen Spannungsfeld zwischen Reform und Notstand, sagte Tagungspräsident Prof. Dr. Stephan Dorschner vom Georg-Streiter-Institut für Pflegewissenschaft der Fachhochschule Jena. Auf der einen Seite gebe es die Diskussion um einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff, sogenannte „Transparenz“-Kriterien, die sich in veröffentlichten Schulnoten manifestieren, oder verschiedene Angebote zur Verbesserung der Situation von Menschen mit Demenz und ihrer Familien. Auf der anderen Seite habe der Bundestag in diesem Jahr die Absenkung der Zugangsberechtigung zu den Pflegeberufen beschlossen. Gleichzeitig soll die Qualität pflegerischer Leistungen in allen Bereichen kontinuierlich steigen. Allein diese Themen sorgten für reichlich Diskussionsstoff.
|

|
|
|
Referentin Brigitte Grissom
© Conventus |
|
Ein weiteres, wichtiges Thema, neben dem Schwerpunkt „Palliativpflege“ und den Angeboten der Kooperations- partner: dem AWO Kreisverband Jena-Weimar e.V., dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V., dem Sophien- und Hufeland-Klinikum Weimar gGmbH sowie dem Universitätsklinikum Jena, lautet: „Advanced Nursing Practice – ein Konzept für das deutsche Gesund- heitssystem?“ So berichtete z.B. die Krankenschwester Brigitte Grissom (APRN, NNP-BC), die in Amarillo in Texas als „Nurse Practitioner“ auf einer neonatologischen Intensiv- station arbeitet, wie eine auf Masterniveau qualifizierte Pflegefachperson mit Ärzten, Eltern und anderen Gesundheitsberufen zusammenarbeitet.
Professor Dorschner: „Wir brauchen nicht weitere neue Berufe im Gesundheitswesen, sondern eine grundsätzliche und ehrliche Diskussion über die Neuverteilung der anstehenden Aufgaben. Die Lösung ist dabei nicht in der Absenkung von Zugangsvoraussetzungen, sondern in einer Erhöhung der Attraktivität des Pflegeberufes zu suchen.“
Am 5. Dezember gab es erstmals ein eigenes Forum für Angehörige von pflegebedürftigen Personen, das im Pflegestützpunkt Jena stattfand. Hier wurden Erfahrungsberichte ausgetauscht – so berichtete etwa Stefan Krastel aus Kehl (Baden-Württemberg) von der seit elf Jahren dauernden Pflege seiner Mutter, durch die er Job und Ersparnisse verloren hat, und von seinem Kampf um eine größere Anerkennung der Pflege. Stefan Krastel wurde bekannt durch seinen spektakulären Protestmarsch von seiner Heimatstadt nach Berlin, um so auf die Situation pflegender Angehöriger aufmerksam zu machen. Dr. Hanneli Döhner aus Hamburg stellte mit viel Engagement die Interessenvertretung begleitender Angehöriger und Freunde in Deutschland e.V. vor.
Insgesamt betrachtet war der Thüringer Pflegetag 2009 wieder ein Erfolg und bot ein bewährtes Forum zum Austausch rund um das wichtige und gesellschaftlich nach wie vor zu wenig präsente Thema „Pflege“. Auch im nächsten Jahr wird sich das Team um Prof. Dorschner auf dem 8. Thüringer Pflegetag und 4. Thüringer Palliativpflegekongress wieder für dieses Thema stark machen. Die Veranstaltung findet dann voraussichtlich am 3. und 4. Dezember 2010 statt.
Informationen unter:
www.thueringer-pflegetag.de
Quelle: Conventus
Congressmanagement & Marketing GmbH (
www.conventus.de)