„Musik hat etwas mit Beziehung zu tun, weil wir bereits im Mutterleib den Herzschlag hören.“ so Musiktherapeut Norbert Schultz, der einmal wöchentlich ins Frankfurter Sunrise Domizil (
www.sunrise-domizile.de) kommt. Dort macht er orientierten wie desorientierten Menschen musikalische Angebote wie Singen und Musizieren. Da unser musikalisches Bewusstsein in den emotionalen und nicht in den rationalen Gehirnarealen liege, spreche Musik zunächst das Gefühl an. Ein Musikstück kann, je nachdem welche Erinnerungen damit verbunden sind, unterschiedliche Stimmungen hervorrufen. Daher rät der Musiktherapeut älteren Menschen zu einer Art „musikbezogener Patientenverfügung“.
Sie sollten sich Gedanken darüber machen, welche Musikstücke ihnen lebensförderliche Stimmungen beschafften und möglichst eine „Eigenmusik-Konserve“ mit ihrer persönlich lebenswichtig gewordenen Musik zusammenstellen. Diese stünde ihnen dann bei schwerer Erkrankung zur Verfügung. Desgleichen wirkten Naturgeräusche und Tierstimmen auf das Gemüt, so Schultz. Dem gemeinsamen Singen maß er allerdings die höchste Bedeutung zu, da es gerade den Bewohnern mit Demenz unmittelbar das Gefühl von Gemeinschaft und Sicherheit gebe.
Gemeinsam ambulant betreut
Die meisten im Hause lebenden Menschen hätten sich für das so genannte assistierte Leben entschieden, berichtet Liane Sieger, die im Hause für Netzwerkarbeit verantwortlich ist. Diese Wohnform verbinde ein selbständiges Wohnen mit vielen freiwilligen gemeinsamen Aktivitäten aller dort lebenden Nachbarn. Falls Pflegebedarf eintreten sollte oder auch schon bestehe, ist eine ambulante Versorgung für die Pflege gewährleistet.
Als Nachbar mit Demenz leben
„Reminiszenz Nachbarschaft Leben“, so lautet der Name der Wohnform speziell für desorientierte Menschen, die im Sinne stationärer Versorgung psychosozial betreut und gepflegt werden. Auch hier wird viel gemeinsam unternommen, um die noch bestehenden Kompetenzen zu erhalten.
Kultur der persönlichen Ansprache
Geborgenheit und Selbstbestimmung sind gerade im Alter wichtig. „Wir leben hier eine Freiheit im Umgang mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, die schon etwas Besonders ist“, berichtet Nicole Koik, die Freizeit-Koordinatorin, die für das psychosoziale Wohl der Menschen zuständig ist und Feste, Ausflüge, Restaurantbesuche, Konzerte und Geburtstagsfeiern ausrichtet. Bei letztern können Bewohner, Angehörige und Gäste mit Überraschungen rechnen, wenn plötzlich ein Clown oder ein Jongleur auftaucht.
Verlässliche Tagesgestaltung
In beiden Wohnformen, so Nicole Koik, werde ein umfangreicher Aktivitätenplan angeboten. Nach dem Frühstück, so ab 10.30 Uhr, stehen entweder Stretching, Kegeln oder Bewegungsübungen auf dem Programm. Ab 11.00 Uhr wird der Geist trainiert: Es werden Witze und Anekdoten vorgetragen, Gesprächskreise geführt oder Gehirnjogging veranstaltet. Den Nachmittagen sind Ausflüge und Bingospiele vorbehalten oder man folgt den Anregungen der Bewohnerinnen und Bewohner und fabriziert Teddybären.
Freizeitaktivitäten werden begleitet
„Alle Mitarbeiter der Hauses sind eingeladen, sich in die Freizeitaktivitäten einzubringen und die Bewohner zu begleiten“, berichtet Nicole Koik. Auch seien drei feste ehrenamtliche Personen im Hause aktiv. Diese besuchten regelmäßig Bewohnerinnen und Bewohner, die nicht mehr an den Gruppenaktivitäten teilnehmen mögen. Eine Dame liebe es, nur noch persönlich angesprochen zu werden und erhalte daher Einzelbetreuung. Die Arbeit von Ehrenamtlichen verdiene besondere Aufmerksamkeit: Sie müssten durch Unterstützung seitens des Hauses Sicherheit und Vertrauen fassen können. Wie Nicole Koik unterstreicht, seien monatliche Treffen für die Ehrenamtlichen in Planung. Es gehe dabei um den sozialen Ausgleich zwischen Ehrenamt, Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern.
Text: Beate Glinski-Krause M.A., FFA-Netzwerkbüro
Mit freundlicher Unterstützung
St. Katharinen- und Weißfrauenstiftung
Quelle: FFA - FRANKFURTER FORUM FÜR ALTENPFLEGE
(
www.ffa-frankfurt.de)