Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen
Ein Prozess für alle Mitarbeiter

(17.01.2008)
Die stetig steigenden Anforderungen an Kliniken, Pflegeheime, Arztpraxen und ambulante Pflegedienste und die leeren Kassen stellen viele Angestellte und Führungskräfte vor große Probleme. Der immense Kostendruck und die Knappheit an zur Verfügung stehender Zeit stellen Dienstleister vor einen größer werdenden Handlungsdruck.

Allein die Erfüllung der Norm und den damit verbundenen Auf- und Ausbau der DIN ISO 9001:2000 sind sehr zeitaufwendig. Alle Handlungsabläufe und Verwaltungsabläufe in ihrer Gesamtheit ohne externe Hilfe zu erfassen, ist schier unmöglich. Nach bisherigen Erfahrungswerten muss, je nach Einrichtungsgröße und Angebot, mit einem Zeitrahmen bis zur Zertifizierung von zwei bis drei Jahren gerechnet werden. Mittlerweile stehen aber sehr detaillierte Programme zur Verfügung, die es ermöglichen, dieses System selbstständig und ohne externe Hilfe aufzubauen.

Die Kosten für solch ein Programm übersteigen den Stundenlohn eines Beraters nicht. Zudem stehen unzählige Hilfen und vorgefertigte Dokumente zur Verfügung, die sofort in den Aufbauprozess integriert werden können und zudem nicht teuer zugekauft werden müssen.

Ein funktionierendes Qualitätsmanagement senkt nachweislich die Kosten und steigert die Kundenzufriedenheit. In Anbetracht der zunehmenden Marktdichte ist es für den Einzelnen unabdingbar, diese Ergebnisse auch nach Außen hin transparent darzustellen und so nachhaltig über die Öffentlichkeitsarbeit neue Kunden zu gewinnen. Als Kern des Managementprozesses lassen sich auf dieser Basis weitere Managementsysteme in ein integriertes Managementsystem implementieren.

Das Hauptproblem bei der Implementierung eines Qualitätsmanagementsystems sind die Ängste der Mitarbeiter. Diese sehen sich oft ihrer Arbeitsautonomie beraubt und zu „Arbeitsrobotern“ degradiert. Hier ist schon im Vorfeld durch die Führungskräfte Aufklärungsarbeit zu leisten und eine fortwährende Begleitung durch den gesamten Prozess sicherzustellen.

Alle am Gesamtprozess beteiligten Mitarbeiter sollten mit ihrem Wissen und Engagement in die Aufbauarbeit integriert werden. Das entstehende Werk wird somit nicht mehr als lästiges Übel gesehen, sondern jeder einzelne erkennt sich und seine Arbeit in dem Werk wieder und identifiziert sich mit den beschriebenen Prozessen.

Durch die Auswertung der verschiedensten Positionen werden Schwachstellen beleuchtet, die zuvor keine oder nur wenig Beachtung fanden. Kontinuierliche Qualifikation der Mitarbeiter, Kundenumfragen, Personalfluktuation etc. sind Forderungen der Norm.

Der Personalfluktuation sollte besonders Sorge getragen werden. Nicht nur, dass dem Unternehmen aktives Wissen durch Verlust der ausgeschiedenen Mitarbeiter entzogen wird, sondern vielmehr, dass jeder nicht am Aufbau des Systems beteiligte Mitarbeiter erst mühselig in den Prozess eingeführt werden muss.

Da sich im Bereich der Pflege jedoch ein „Generationenwechsel“ vollzieht und bei der Fachkräfteausbildung das Qualitätsmanagement immer mehr Beachtung findet, werden die Vorteile der Norm immer deutlicher.

Stark reduzierte Einarbeitungszeiten gehen einher mit einer sinkenden Prozessfehlerquote, die sich wiederum positiv auf die Prozessqualität auswirkt. Da die Personalkosten im Pflegebereich immer noch den größten Kostenfaktor stellen, wird durch die Einführung eines QM-Systems eine nachhaltige Zukunftssicherung betrieben. Die vom Medizinischen Dienst bemängelten Probleme im Bereich Verwaltung wurden reduziert, jedoch sollte im Bereich des Qualitätsmanagements darauf geachtet werden, auch die bestehenden und aktuell erschienenen Pflegestandards zu integrieren. Zudem muss der Punkt „Pflegevisiten“ aktiv durchgeführt werden, da sich dies unmittelbar auf die Pflegequalität niederschlägt.

Eine professionell und nachhaltig gestaltete Qualitätssicherung beginnt mit dem Aufbau eines Qualitätsmanagementhandbuches und stellt im kontinuierlichen Verbesserungsprozess den ersten Schritt dar in einem stetig fortlaufenden Regelkreis.

Text: Michael Hack; Jahrgang 1976, Ausbildung zum examinierten Krankenpfleger in der Donnersberger Krankenhaus GmbH (heute Westpfalzklinikum Kaiserslautern). Pflegefachkraft mit mehrjähriger Leitungserfahrung in der ambulanten und stationären Kranken- und Altenpflege. Qualitätsauditor und -beauftragter nach DIN ISO 9001:2000. Lange Jahre als Sozialbetriebswirt und Pflegedienstleitung im ambulanten Bereich tätig. Mitwirkung in diversen Berufsverbänden und in politischen Arbeitsgruppen. Pflegeberater nach § 45 SGB XI. Dozent und Berater im Gesundheitswesen. Mitglied der DGQ e.V.

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