Nichts als Kompetenz
Über das Modellprojekt "Gemeinsame Pflegeausbildung"

(12.04.2006)

Nichts als Kompetenz

Stellen Sie sich ein Haus vor, das quer und mitten in eine gewachsene Struktur gebaut wurde. Die drei dort lebenden Familien beschließen, demnächst nur noch eine zu sein. Einige Alte sehen die Zukunft ihres Dorfes gefährdet. Just dieser Stoff war unlängst an der KFH NW in Köln zu sehen, ein epochales Werk.

Das Dorf und die Alten: die versammelte Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflegeausbildung in Deutschland, angetreten in Gestalt der (berufstätigen) Studierenden der Pflegepädagogik im 2. und 6. Semester.
Die Kinder: 21 Auszubildende an Pflegeschulen im Modellprojekts einer generalistischen Pflegeausbildung.
Buch: Professorin Gertrud Hundenborn (Fachbereich Gesundheitswesen der KFH NW),
Regie: Professorin Gertrud Hundenborn,
Diplom-Berufspädagoge Roland Brühe, Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e. V.,
Karin Settertobulte, Caritasverband für das Erzbistum Paderborn e.V.

Titel des Werkes: Nichts als Kompetenz
Worum es geht: Innerhalb des Modellvorhabens des Bundesministeriums für Familie, Senioren Frauen und Jugend (BMFSFJ) zur Weiterentwicklung der Pflegeberufe erproben acht Projekte eine gemeinsame Ausbildung in den Pflegeberufen der (bisher von einander getrennt auszubildenden) Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege, in Theorie und Praxis. Es soll geklärt werden, ob und wie eine Pflegeausbildung mit generalistischem Ansatz realisiert werden kann. 21 Männer und Frauen nehmen an diesem Modell teil, das zur Entwicklung, Erprobung und Evaluation eines Curriculums für die theoretische und praktische Ausbildung mit generalistischem Ansatz, zur Zusammenführung der Kernpflegeberufe und zur Weiterentwicklung der Pflegeberufe zu einem einheitlichen Profil führen soll, damit die Anforderungen an eine qualifizierte Pflege für Menschen aller Altersgruppen sichergestellt werden kann.

Es werden Ausbildungsinhalte erarbeitet, die auch für die reguläre Altenpflegeausbildung sowie die Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung gewinnbringend eingesetzt werden können. Die Auszubildenden sammeln sowohl in der Kranken- und Kinderkrankenpflege als auch in der Altenpflege in teil- und vollstationären Einrichtungen praktische Erfahrungen und erhalten bei Hospitationseinsätzen in Beratungsstellen, Krankenkassen oder im Gesundheitsamt Einblicke in pflegerische Berufsfelder außerhalb der klassischen Bereiche.

Alle werden einen Abschluss erwerben, der auf der Basis geltender Ausbildungsgesetze gesichert ist. Die wissenschaftliche Begleitung fördert die weitere Fachdiskussion, schafft eine Grundlage für politische Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse und schließlich für die konkrete Gesetzgebung.

Der überwiegende Teil der gemeinsamen theoretischen Ausbildung findet am Fachseminar für Altenpflege in Geseke statt, weitere Anteile an der Krankenpflegeschule des Brüderkrankenhauses St. Josef Paderborn sowie an der Kinderkrankenpflegeschule des St. Vincenz-Krankenhauses Paderborn.

Das Durchschnittsalter der Auszubildenden beträgt 23,2 Jahre. Fünf Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfügen über die allgemeine Hochschulreife, sechs über die Fachhochschulreife, zwölf über eine Fachoberschulreife und eine Teilnehmerin / ein Teilnehmer über einen Hauptschulabschluss mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung.

Kenner – Könner – Experte
Die Ausbildung im Modellprojekt ist konsequent am Kompetenzerwerb orientiert. Hilfreich ist das für diese Ausbildung zur Selbst- und Fremdbeurteilung entwickelte Kompetenzrad. Es zeigt einerseits die zu erwerbenden Kompetenzen und ist andererseits geteilt in drei Entwicklungsstufen: Kenner, Könner, Experte.

Als Experte besteht dann beim Erwerb des Berufsabschlusses tatsächliche Entscheidungsfreiheit. Vor allem aber erwerben die künftigen Pflegefachkräfte zugleich im Modellprojekt die für ihr eigenes Berufsleben und für die in der Pflegepraxis erkennbar nötige Flexibilität, um in mehreren der zahlreichen Handlungsfelder der Pflege einsetzbar zu sein; sie gewährleisten damit auch künftig die Kontinuität professioneller Pflege in der Alltagspraxis.

Masterplan NRW
Inzwischen wurde das Modellprojekt in den Masterplan Gesundheitswirtschaft NRW aufgenommen, der sich auf 58 Handlungsfelder der Gesundheitswirtschaft der Zukunft konzentriert.

"Wir sind das Modellprojekt!"
Die „Alten“ aus dem 2. und 6. Semester fragten zurück, ob sich die Auszubildenden nicht gerne von Beginn an für eines der (tradierten) Berufsbilder hätten entscheiden wollen. Man wolle doch klar formulieren können, wer man sei.

Kein Problem für die 21: „Wir sind das Modellprojekt!“ Identitätssuche ist hier längst abgeschlossen. Diese Auszubildenden nehmen den Paradigmenwechsel hin zum Kompetenzerwerb nicht als Wechsel wahr. Alles andere ist für sie Geschichte. Bologna ist hier! Und sie sehen sich auf ihren Stationen gut angenommen. Man sei aufgeschlossen, heißt es - bis auf manche Kolleginnen und Kollegen in der Kinderkrankenpflege. Kompetente Kommunikation
Zur Mitte Ihrer Ausbildungszeit im Modellprojekt haben die "Modellprojektler(innen)" also „den Alten“ gezeigt, was ihre eigene Ausbildung kennzeichnet: keine leichte Sache, braucht das doch starkes Reflexionsvermögen über etwas, worin sie selber mitten drin stecken. Eine Portion Mut war ebenfalls hilfreich: was nämlich die Pflegeschülerinnen nicht anders kennen und für selbstverständlich halten, erklärt sich den Angehörigen tradierter Pflegeausbildungsgänge längst nicht von selbst.

Die 19 Frauen und 2 Männer sind inzwischen erprobt:
Sie haben eine website zu ihrer Ausbildung gestaltet, einen Fachartikel geschrieben, einen Vortrag dazu erarbeitet, geben einen newsletter heraus und hgaben sich und ihr Modellprojekt bereits auf der Medica, der weltweit größten Medizinmesse präsentiert.
Die Zukunft: Bologna-Prozess setzt sich fort
Wo also andernorts „Bologna“ noch buchstabiert wird, da ist dieses Modell einer generalistischen Pflegeausbildung weiter. Was die beiden aktuellen Studien zur Pflegeausbildung, BEA und PABiS, sowie die Hochschulrektorenkonferenz und die KMK als Deutschlands Zukunftsausgabe formulieren, das haben Professorin Hundenborn und ihr "Modellprojekt-team" bereits heute erkennbar erfolgreich in die Tat umgesetzt.

Projektbeteiligte:
Caritasverband für das Erzbistum Paderborn e.V.
Schwestern der Heiligen Maria Magdalena Postel (SMMP), Seniorenhilfe SMMP gGmbH, Bestwig, mit dem Fachseminar für Altenpflege in Geseke Barmherzige Brüder Trier e.V., Trier, mit der Krankenpflegeschule am Brüderkrankenhaus St. Josef in Paderborn
Barmherzige Schwestern des Hl. Vincenz von Paul, Paderborn, mit der Kinderkrankenpflegeschule am St. Vincenz-Krankenhaus in Paderborn

Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Gertrud Hundenborn, Fachbereich Gesundheitswesen der KFH NW / Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung ew. V. (dip), Köln
Diplom-Berufspädagoge Roland Brühe, dip, Köln

Website des Projektes:
www.gemeinsame-pflegeausbildung.de

Förderer:
Europäische Union (EU),
Europäischer Sozialfonds (ESF),
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

Quelle: Pressemitteilung der KFH NRW (www.kfhnw.de)




weitere Artikel

Pflegen - Online LogoPflegen - Online Logo