Dank Telemedizin und Telematik besser gerüstet im Pflegealltag
Einsatzmöglichkeiten und Nutzen aber noch wenig bekannt

(25.02.2008)
ZTG
Krefeld. Die demografische Entwicklung stellt die Pflege vor enorme Herausforderungen, die nur durch neue Dienstleistungsangebote und innovative Finanzierungskonzepte auf der Basis von Telematik zu bewältigen sind. Im Rückblick auf das Treffen der Branche in Hannover auf der Altenpflegemesse scheint das Interesse an Telematik im Vergleich zur medizinischen Profession offensichtlich eher gering.

Dabei sind die politischen Weichen für die neuen Technologien bereits gestellt. Experten sind sich einig: Wer die Zeichen der Zeit jetzt nicht wahrnimmt, wird es zukünftig im Berufsalltag schwerer haben. Telematik ist treibende Kraft und probates Werkzeug zugleich, sich schon heute abzeichnende Versorgungs­schwierigkeiten zukünftig gezielt in den Griff zu bekommen. Auf diesem Aktionsfeld wird das ZTG als Kompetenzzentrum für Pflege- und Gesundheitstelematik weiter voranschreiten und seine Aktivitäten intensivieren. Das erste Etappenziel: Mehr Bewusstsein für das Thema schaffen.

Wie sieht der Pflege- und Betreuungsbedarf der Zukunft aus? Klar ist, dass eine sinnvolle technologische Unterstützung und Vernetzung neue Formen der individuellen Begleitung von Pflegebedürftigen mit auf den Kunden abgestimmten Dienstleistungen im Alltag ermöglicht. Solche innovativen Ansätze und Lösungen für die Pflege präsentierte die ZTG GmbH aus Krefeld auf der Messe Altenpflege+ProPflege 2008 in Hannover:

Zentrale Elemente sind telemedizinische Konzepte, das kontinuierliche Monitoring von Pflegebedürftigen sowie eine intelligente, IT-gestützte Steuerung von Alltagsprozessen (z. B. Therapiebegleitung, Pflegedokumentation). Telematik ist der Motor für innovative Anwendungen und neue Dienstleistungen im Pflegealltag. Insgesamt besteht der Nutzen von Telematik für die Pflege in einer besseren zeitnahen Versorgung. Der Pflegebedürftige kann mehr Lebensqualität erfahren und ein stärker selbstbestimmtes Leben in gewohnter Umgebung führen, nach Bedarf mit unauffälliger „Rund-um-die-Uhr“ -Begleitung.

Rund um diese Themen erhielten Messebesucher am Ausstellungsstand der ZTG GmbH, dem Kompetenzzentrum für Gesundheits- und Pflegetelematik, viele nützliche Informationen. Insbesondere interessierte dabei die praxisnahe Umsetzung, nämlich welche konkrete telematische Unterstützung zu pflegende Menschen erhalten können oder was mit den neuen Berufsausweisen auf Pflegekräfte künftig zukommen wird. Neben der elektronischen Gesundheitskarte und Projekten aus dem Bereich der für das gesundheitliche Wohlbefinden vernetzten Wohnung waren auch Telemedizin und Telemonitoring nachgefragte Themen. Die ZTG-Internetplattform Telemedizin24.de stellt dabei den komfortablen Zugang zur Telemedizin als wichtigen Teil der Gesundheitstelematik dar und wurde von den Standbesuchern interessiert wahrgenommen.

Für alle Pflegekräfte, die für die Zukunft gerüstet sein wollen, ist das Wissen um neue Möglichkeiten unverzichtbar. Am zukünftigen Versorgungsgeschehen wird nur derjenige teilhaben, der sich über die sogenannte Telematik-Infrastruktur an der gemeinsamen, vernetzten Kommunikation und dem damit verbundenen Datenaustausch im Gesundheitswesen beteiligen kann. Als Schlüssel dient der mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte verbundene elektronische (Heil-)Berufsausweis. Noch ist die Ausgabe der Berufsausweise an die nicht verkammerten Berufe aber nur partiell geregelt.

Auffällig vor diesem aktuellen Kontext: Die in Hannover häufig gestellte Frage „Was ist denn eigentlich Telematik?“. Bei vielen Messebesuchern – von der Pflegekraft bis hin zur Heimleitung – ist die Information, dass bald eine neue Karte eingeführt wird und auch Pflegekräfte Berufsausweise erhalten werden, bislang gar nicht oder nur unzureichend angekommen. Damit zeigte sich die Pflegegemeinschaft in Bezug auf die aktuelle bundesweite Entwicklung als eher wenig informiert.

Dabei stellen sich für Anwender aktuell viele Fragen bezüglich der Realisierung gesundheitstelematischer Anwendungen im Pflegebereich:
Wo kann Technik den Menschen helfen? Wie kann Technik Freiräume schaffen für pflegerische Zuwendung? Wo liegen die Grenzen für den Einsatz von Technologien? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen sind zu beachten? Neben der technischen Umsetzung und der praktischen Gestaltung aus Sicht der künftigen Anwender ist auch die Finanzierung bei der telematisch unterstützten Form der Pflege eine zentrale und angesichts des komplexen Gesundheitswesens auf den ersten Blick scheinbar unlösbare Frage. Hier hat die ZTG GmbH ein Geschäftsmodell entwickelt, das von der Financial Times Deutschland in 2007 prämiert wurde. Dieser Ansatz, der auf die Netzwerkbildung unter Einbindung von Wohnungswirtschaft und Pflegediensten als Treiber solcher innovativen Entwicklungen zielt, dürfte angesichts der kommenden Herausforderungen im Gesundheitswesen und der gesellschaftlichen Entwicklungen ein wirkungsvolles Werkzeug für eine zukunftsfähige, menschenwürdige und für jedermann zugängliche Betreuung darstellen.

Wissensvorsprünge nutzen – Chance verpasst
Das der Thematik nicht angemessene, eher geringe Interesse der Messebesucher spiegelte sich vor allem in dem großen Forum „Telematik im Gesundheitswesen - Motor für Innovationen und neue Dienstleistungen in der Pflege“ wieder. In dieser gemeinsamen Veranstaltung der ZTG GmbH mit dem Vincentz Network boten acht Referenten, allesamt Experten aus Industrie, Selbstverwaltung, Wissenschaft und Politik, umfassende, aktuelle Einblicke und zeigten pointiert Grundlagen und Möglichkeiten gesundheitstelematischer Anwendungen für die Pflege auf. Sie präsentierten anschaulich technologische Lösungen und gaben aus Anwendersicht Antworten auf den Nutzen sowie die Finanzierung von bedarfsorientierter „Smart Care“. Die bestmögliche Ausgestaltung neuer Prozesse gelingt, wenn insbesondere die Position der Pflege einbezogen wird, die sich traditionell stark für die ethische Diskussion interessiert.

Nur wenige Zuhörer nutzten die gute Gelegenheit, die Experten direkt vor Ort zu befragen. So stellte eine Besucherin erstaunt fest, dass auch Mitarbeiter aus dem Bereich der Rehabilitation bald mit Berufsausweisen ausgerüstet werden, sofern sie ein elektronisches Rezept verarbeiten. Weiter fragte das Publikum in den Diskussionsrunden fachkundige Informationen insbesondere zum Thema Datenschutz nach. Zusammenfassend gestalteten die Referenten ein umfassendes und spannendes Vortragsprogramm.

Angesichts der Bedeutung eines vernetzten Gesundheitswesens als Wirtschaftsfaktor des 21. Jahrhunderts bleibt die Frage, warum die neuen Märkte für die Pflege nicht stärker im Fokus der Beschäftigten dieser Branche stehen. Als Konsequenz wird das ZTG hier zukünftig gezielt ansetzen und einen noch stärkeren Fokus auf die Vermittlung von Chancen und Nutzen der Pflegetelematik legen.

Das „Forum Telematik im Gesundheitswesen“ fand am 14. Februar auf der „Altenpflege + ProPflege“ statt.Weitere Informationen rund um die Veranstaltung erhalten Sie unter www.ztg-nrw.de.

Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen GmbH (ZTG):
Das im November 1999 auf Initiative der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen gegründete Unternehmen verfolgt das Ziel, durch die flächendeckende Einführung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien ins Gesundheitswesen die Behandlungsqualität bei begrenzten Ressourcen zu sichern, neuen Anwendungen Perspektiven im Gesundheitswesen zu eröffnen, innovative Entwicklungen in der Branche nachhaltig voranzutreiben und diese auf künftige Herausforderungen vorzubereiten.
Gesellschafter des Kompetenzzentrums für Pflege- und Gesundheitstelematik sind führende Informations- und Kommunikationstechnologie-Anbieter, Forschungs­unter­nehmen sowie die öffentlichen Institutionen und Organisationen des Gesundheitswesens.
Die deutschlandweit einmalige Public Private Partnership setzt interoperable Telematik-Lösungen für die integrierte Versorgung um, fördert Standardisierung und Wissenstransfer. An den Schnittstellen von Industrie, Selbstverwaltung, Wissenschaft und Politik bringt das Kompetenzzentrum die Akteure und Interessen in den Märkten des Gesundheitswesens zusammen.
Die ZTG GmbH entwickelt das gesundheitstelematische Gesamtkonzept des Landes NRW (Stichwort Elektronische Patientenakte, Heilberufsausweise, elektronische Gesundheitskarte, Internetportale) und leitet die Modell- und Testregion Bochum-Essen. Sie ist im Bereich Pflegetelematik, Telemonitoring und HomeCare aktiv. Ihr Portfolio reicht von der Beratung über Expertisen und Gutachten bis hin zu Veranstaltungs- und Projektmanagement.

Quelle: ZTG Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen GmbH
(www.ztg-nrw.de)




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