Betreuungskräfte

Betreuungsberichte schreiben – die größten Fehler

Betreuungskräfte werden mit dem Schreiben von Betreuungsberichten oft allein gelassen. Jetzt gibt es ein Buch, das ihnen Hilfe bietet. Ein Interview mit der Autorin Angela Paula Löser

pflegen-online: Der Betreuungsbericht ist mittlerweile Pflicht für Kräfte in der sozialen Betreuung. Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die spezielle Anforderungen an die Alltagsbegleiter stellt. Wo liegen die häufigsten Fehler?

Angela Paula Löser: Es gibt quantitative und qualitative Fehler. Während zuweilen wichtige Informationen fehlen, werden zum Teil Wiederholungen oder wertende Einträge vorgenommen.

Auch Betreuungskräfte erleben den allgegenwärtigen Zeitdruck. Wie viel Zeit sollen sich Betreuungskräfte denn dafür nehmen, ihre Berichte zu erstellen?

Es ist schwer, Zeitvorgaben zu nennen. Das hängt von der Art des Dokumentationssystems ab, das die Pflegeeinrichtung verwendet, beispielsweise das Strukturmodell mit SIS. Hier sollen die Betreuungskräfte nur noch Abweichungen festhalten.

Ist es sinnvoll, nur Veränderungen zu dokumentieren?

Nein. Betreuungskräfte machen oft aus der akuten Situation heraus Einzelangebote, sie reagieren flexibel auf die Bewohner. Daher unterscheiden sich die einzelnen Maßnahmen schon deutlich voneinander, was sich eben auch in den Berichten niederschlagen sollte. Und da der Gesetzgeber extra Geld für die soziale Betreuung ausgibt, möchte er mit Hilfe der Berichte auch nachvollziehen können, ob die Pflegeeinrichtungen das Geld zweckgebunden einsetzen. Die Berichte sind somit auch Rechenschaftsberichte und sollten belegen, dass die Betreuungskräfte vielfältige und sinnvolle Aktivitäten anbieten.

Warum haben Sie das Buch geschrieben?

Ich gebe auch Seminare und merke, wo es Schwachstellen gibt. Das Buch zielt darauf ab, den Betreuungskräften Hilfen an die Hand zu geben, wie sie einen Sachverhalt genau und ohne Zugabe von Meinungen oder Wertungen beschreiben können. Obwohl es seit 2009 eine Ausbildung in der sozialen Betreuung gibt, gehörte die Dokumentation lange Zeit nicht zu den Ausbildungsinhalten. Das Buch will zeigen, welche Kerninhalte wichtig sind und wie die Betreuungskräfte sie so formulieren können, dass sie für einen Leser auch nachvollziehbar sind.

Oft stellen Sie im Buch richtige und falsche Formulierungen gegenüber. „Frau Ö. wird zum Schlafen auf das Sofa gelegt.“ Dies zu schreiben, wäre falsch, sagen Sie auf Seite 126. Stattdessen empfehlen Sie diese Formulierung: „Frau Ö. wird nach dem Mittagessen auf ihr Sofa gelegt, kann sich selbst nicht in eine bequeme Lage nach dem Hinlegen bringen.“ Was ist hier besser?

Die Uhrzeit ist wichtig, damit die Kollegen der folgenden Schicht wissen, wann sie hingelegt wurde. Außerdem wird hier deutlich, welchen Bedarf an Hilfe Frau Ö. hat. Der Bericht soll im Prinzip die klassischen W-Fragen beantworten: Was ist passiert? Wer hat etwas gemacht? Wann und wo ist es geschehen? Warum und wie hat die Betreuungskraft gehandelt?

Knifflig wird es beim Bericht, wenn es darum geht, dass Bewohner gegenüber den Betreuungskräften übergriffig werden. Was ist Ihr Rat?

Hier ist die Betreuungskraft besonders gefordert, bei den Tatsachen zu bleiben. Sie darf die Übergriffigkeit nicht vorschnell einer Krankheit zuordnen. Es ist auch denkbar, dass die Reaktion des Bewohners durch die eigene Vorgehensweise während der sozialen Betreuung ausgelöst wurde, die er so nicht wollte oder auf die er sich nicht einstellen konnte.

Haben Sie ein Beispiel?

Angenommen, der Bewohner schubst die Betreuungskraft. Diese ist emotional betroffen und versteht dies so, dass der Bewohner sie nicht mag oder sie ablehnt. Oder sie ordnet dieses Verhalten vorschnell seiner Demenz zu. Diese Interpretation kann im schlimmsten Fall, wenn Beschreibungen wie „...war aggressiv...“ häufiger auftreten, sogar zu einer Medikamenten-Verordnung führen.

Es wäre aber auch denkbar, dass die Betreuungskraft selbst sich unpassend verhalten hat, dass die Aktivität zu schnell für diesen Bewohner war, was ihn aggressiv machte, oder dass sich die Betreuungskraft ihm von hinten genähert hat und er sie nicht gesehen hat. Um vorschnelle Interpretationen zu vermeiden, ist es eben wichtig, die richtigen Details und die konkreten Zusammenhänge zu beschreiben.

Wie benutzt man Ihr Buch? Sollte man es von Anfang bis zum Ende durcharbeiten?

Am besten nutzt man es als Fundgrube, je nach Thema. Wenn eine Betreuungskraft von Vorgesetzten hört, dass ihre Berichte unpassend sind, kann sie mit Hilfe meines Buches selbst daran arbeiten, ihre Berichte zu verbessern. Das Buch ist zudem gut für die Ausbildung geeignet.

Interview: Michael Handwerk

Die Autorin Angela Paula Löser

Die promovierte Pädagogin Angela Paula Löser ist Lehrerin für Pflegeberufe, Fachkrankenschwester für Onkologie und Palliative Care, Interne Auditorin sowie freiberufliche Dozentin. Sie arbeitet seit 20 Jahren als Dozentin und seit 14 Jahren als Beraterin in der stationären Altenpflege.

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