Führungskräftetraining

Coaching - von wegen schnell verpufft!

Pflegedirektorin Ursula Seeger hat vor vier Jahren ein Coaching besucht. Dieses hat ihr Führungsverhalten stark verändert und beschäftigt sie bis heute. Für pflegen-online erinnert sie sich.

Inhaltsverzeichnis

Mit Veränderung kennt sich Ursula Seeger (Foto ganz unten) aus. Die 59-Jährige (detaillierter Lebenslauf am Ende des Textes) hat in Ost- und Westdeutschland gearbeitet und sich auch inhaltlich immer wieder verändert – zuletzt durch den Wechsel ans kommunale Klinikum Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt. Seit 2014 ist sie dort als Pflegedirektorin für rund 500 Mitarbeiter an zwei Standorten verantwortlich. Zum Start erhielt sie von ihrem neuen Arbeitgeber nicht nur ein Einzelcoaching. Sie besuchte auch ein viertägiges Business-Retreat der Berliner NextHealth GmbH. Anschließend hat sie nicht nur ihre Arbeitsweise verändert, sondern auch ihr Führungsverhalten überdacht – wie sie für pflegen-online beschreibt:

„Ich bin neugierig. Offen. Es macht mir Spaß, mich weiterzuentwickeln – und ich habe gedacht, mich genau zu kennen. Nach dem, was ich vor gut vier Jahren in Fürstenberg/Havel in Brandenburg erlebt habe, weiß ich, dass das nicht stimmte – und kenne mich besser.

Erlebt habe ich einen organisierten Rückzug aus dem Gewohnten. Das Business-Retreat kombiniert Coaching und Gespräche mit sportlichen Elementen, Entspannungsübungen und individueller persönlicher Zeit. Dahinter steht das Ziel, neue Perspektiven für sich zu erkennen und Erfolg und Lebensbalance zu vereinen. Die Ergebnisse haben mich verändert, und sie beschäftigen mich bis heute.

Das Coaching - ein Angebot der Geschäftsführung

Das Retreat war Teil meines beruflichen Neustarts im Klinikum Burgenlandkreis in Naumburg an der Saale. Durch den Karriereschritt und den damit verbundenen Umzug hat sich für mich damals viel verändert. Nicht nur, weil ich statt bis dahin für rund 300 Betten jetzt für mehr als 700 Betten an zwei Standorten verantwortlich bin, auch privat. Da war der Workshop ein starker Impulsgeber.

Es gab keinen akuten Anlass fürs Coaching

Ich kam an ein Klinikum, das an seiner Strategie arbeitete, eine besondere Führungsidee lebt und viel Raum für Kreativität lässt. Dazu gehört auch, die Führungskräfte ganz bewusst zu stärken – und zwar nicht erst, wenn es kriselt. Das Retreat sollte kein Problem lösen – es war einfach eine Chance.

Pia Drauschke von NextHealth kannte ich schon aus dem Einzelcoaching, das mein neuer Arbeitgeber mir zum Einstieg angeboten hatte. Sie und ihr Mann Stefan Drauschke haben das Klinikum bei den Veränderungen im Strategieprozess 2012 bis 2017 begleitet und begleiten es noch immer. Deshalb habe ich auch nicht gezögert, als der Geschäftsführer Lars Frohn mich fragte, ob ich an dem Retreat teilnehmen wollte.

Im Coaching ging es um unsere Überzeugungen

Die Methodik des Retreats zielt darauf, für sich neue Perspektiven zu entwickeln und besseren Zugang zu den eigenen Ressourcen zu erlangen – ganz im positiven Sinne. Gleichzeitig geht es darum, über die eigene Person und die Führungskompetenzen nachzudenken. Besonders beschäftigt haben uns dabei die inneren Werte – die Frage, was uns antreibt, welche Bedürfnisse wir haben und welche Überzeugungen wir vertreten – und wer wir eigentlich sind.

Da schlummerten unbekannte Kompetenzen in mir

Es brauchte schon ein wenig Mut, sich darauf einzulassen und sich ehrlich mit sich selbst zu beschäftigen – zunächst in Gedanken, dann mit einem Fragebogen und schließlich bei der Auswertung. Ich habe wirklich gedacht, mich zu kennen – dann allerdings noch viel Neues über mich gelernt und gemerkt, dass noch unbekannte Kompetenzen in mir schlummern.

Mein zweischneidiger Perfektionismus

Ganz ausgeprägt ist bei mir der Wunsch, perfekt zu sein und Aufgaben schnell zu erledigen. Das wusste ich natürlich längst, doch es einmal so klar und mit allen Konsequenzen präsentiert zu bekommen, war hochspannend. Gerade das Streben nach Perfektion geht ja manchmal zulasten des Verständnisses für die Mitarbeiter, aber auch zulasten der eigenen Gesundheit und der Achtsamkeit für sich selbst.

Qigong? Ich war zunächst skeptisch

Neben individuellen Coachings haben wir im Retreat auch mit Übungen und leichten Bewegungen aus verschiedenen Sportarten daran gearbeitet. Die Übungen – etwa aus dem Qigong – standen als Sinnbild für Anforderungen im beruflichen Alltag. Das klang für mich zunächst recht esoterisch, und ich war skeptisch, doch es hat gutgetan, sich darauf einzulassen.

Ausweichübung hilft bei aggressivem Gegenüber

Sehr deutlich in Erinnerung ist mir zum Beispiel eine Ausweichübung, bei der jemand, der etwas von mir will und offensichtlich recht aufgebracht ist, energisch auf mich zukommt. Wir haben trainiert, uns etwas zu drehen und einen Schritt zur Seite zu treten, um so etwas Abstand zu schaffen – damit das Problem zunächst an uns vorbeizieht. Die Botschaft ist klar: Diese Sache hat in diesem Moment erst einmal keine Priorität. Die Bedrohung geht an einem vorbei.

Jemand ist unzufrieden mit mir? Das ertrage ich jetzt

So habe ich gelernt, dass ich auch meine Bedürfnisse ernst nehmen darf. Es ist okay, wenn einmal jemand mit mir unzufrieden ist – es immer allen und auch noch sofort recht zu machen, schafft ohnehin niemand. Ich darf auch Fehler machen, wenn dies auch nicht allzu oft vorkommen darf. Das ist für mich ein Lernprozess.

Mein Zeitmanagement hat sich verbessert

Außerdem habe ich nach dem Retreat zum Beispiel mein Zeitmanagement geändert. Eine erste Erkenntnis war, dass ich zwischen meinen Terminen mehr Zeitpuffer einplanen muss. Das habe ich zusammen mit meiner Assistentin direkt umgesetzt.

Ich lauge mein Team nicht mehr aus

Zugegeben, manchmal kommen die alten Gewohnheiten wieder durch. Zuletzt in der Zeit vor Weihnachten – da habe ich mehrere Wochen lang sehr viel gearbeitet. Aber dann gilt es, die Reißleine zu ziehen und wieder langsamer zu machen. Denn damit gefährde ich nicht nur mich, sondern auch meine Mitstreiter – und neben mir selber trage ich auch für sie die Verantwortung.

Das muss ich immer wieder reflektieren, eine solch extreme Hochleistungsphase darf nur temporär sein – schließlich müssen alle auch Spaß an der Arbeit haben. Es nützt mir gar nichts, wenn mein Team irgendwann abspringt, weil alle ausgelaugt sind.

Retreat-Unterlagen sind heute mein Korrektiv

Während nach Seminaren oft die Gefahr besteht, zu schnell wieder in den Alltag zurückzufallen, bewegt mich das Retreat bis heute. In den Sphären, in denen ich mich beruflich bewege, ist man ja auch manchmal ein wenig allein. Da sind die Ordner mit den Retreat-Unterlagen bis heute mein Korrektiv. Ich nehme sie mir immer wieder vor.

Man kann sich jederzeit verändern

Wenn ich mir dann die Ergebnisse erneut bewusst mache, bringt mich das wieder in die Balance. Früher habe ich gedacht, dass man ist, wie man ist. Heute weiß ich, dass man sich jederzeit verändern kann, wenn man will und sich das bewusst vornimmt. Und ich wollte mich verändern.

Coaching wirkt, wenn man bereit zur Selbstkritik ist

Eine Auszeit wie das Business Retreat würde ich wieder nehmen. Allerdings wirkt sie nur, wenn man es zulässt, an sich zu arbeiten, zu lernen und sein Handeln kritisch zu reflektieren. Wer in Seminaren nur auf der Sachebene bleiben möchte und dafür hauptsächlich Input durch Vorträge erwartet, ist hier falsch. Mich jedenfalls beschäftigen die Themen von damals noch immer, und wie beschrieben haben sie sich direkt ausgewirkt.

Wie angenehm: Ich war die einzige Pflegedirektorin

Außerdem war der Rahmen für all das in Himmelpfort (Fürstenberg) perfekt. Das Landhaus Himmelpfort am See liegt in wundervoller Natur, die Verpflegung ist ausgezeichnet. So stimmt rundum alles. Meine Gruppe war klein und ganz unterschiedlich besetzt – jeder mit einer anderen beruflichen Funktion. Eine Oberärztin war zum Beispiel dabei, jemand aus der höheren Verwaltung – und keine andere Pflegedirektorin. Deshalb konnte ich mich mit meinen Gedanken und Anliegen während der vier Tage auch sehr frei und ungehemmt bewegen – und mich neu kennenlernen.“

Protokoll: Jens Kohrs

Foto (Porträt): Klinikum Burgenlandkreis

Mehr Info zum Business Retreat in Himmelpfort

Zur Person: Pflegepädagogin, dann Hospizleiterin, jetzt Pflegedirektorin

Ursula Seeger hat nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester in Berlin auf einigen Intensivstationen gearbeitet. Nach einer Fortbildung war die heute 59-Jährige rund zehn Jahre Lehrerin für Pflegeberufe an der Berliner Charité und ihren Rechtsvorgängern. Später absolvierte sie ein Pflegemanagement-Studium und machte ihren Abschluss als Diplom-Pflegewirtin. „Ich wollte ein zweites Standbein haben“, sagt sie.

Danach hat Seeger Öffentlichkeitsarbeit und Qualitätsmanagement in der Pflege für die Uniklinik Essen gemacht und anschließend im Jahr 2002 als stellvertretende Pflegedirektorin und stellvertretende Hospizleiterin im St. Augustinus Krankenhaus in Düren im Rheinland angeheuert. Ab 2009 war sie dort Pflegedirektorin und Hospizleiterin. Als Pflegedirektorin wechselte sie Anfang 2014 nach Sachsen-Anhalt ans Klinikum Burgenlandkreis. Es hat an den zwei Standorten in Naumburg und Zeitz rund 1.500 Beschäftigte, etwa 500 arbeiten in der Pflege.

Foto: Ocskay Bence - Fotolia.com

Altenpflege

Sensibles Handeln ist gefragt

Menschen, die bettlägerig sind und sich nicht mehr artikulieren können, brauchen vor allem eines: eine besonders sensible und empathische Pflege und Betreuung. 3 Fragen sollten sie sich hier stellen ...

Foto: animaflora - Fotolia.com

Pflegemanagement

Konfliktmanagement – 5 Lösungsstrategien, die Sie kennen sollten!

Ob Pflegepersonal, pflegende Angehörigen, MDK, Ärzte, Patienten/Klienten – als PDL sitzen Sie zwischen allen Stühlen und sind als Konfliktlöser gefragt. Fünf wirkungsvolle Strategien helfen Ihnen dabei.

Foto: Coloures-Pic - Fotolia.com

Pflegemanagement

Stellenanzeigen: Gehen Sie doch mal neue Wege!

Wie finden Sie eigentlich neue Pflegekräfte? Mit der guten, alten Stellenanzeige? Das allein genügt nicht mehr!

Foto: Kzenon - Fotolia.com

Recht

Bettlägerig, immobil und fixiert – was Juristen dazu sagen

400.000 Mal am Tag werden in Deutschland fixierende Maßnahmen bei Bettlägerigen eingesetzt und mit Gründen der Sicherheit gerechtfertigt. Und das häufig ohne das Einverständnis der Betroffenen. Doch was ist dabei eigentlich rechtens?

Wir haben noch mehr für Sie!

Antworten und Impulse für die Pflegeprofession gibt es auch direkt ins Postfach: praxisnah, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für den pflegebrief an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.