#twitternwierueddel

Erwin Rüddel: "Es waren viele sachliche Argumente dabei"

Mit seinem Tweet #gutezeitenfürgutepflege löste Erwin Rüddel (CDU) im Februar Kritik und einen Shitstorm aus. Jetzt spricht er im Interview über seine Kommunikationspanne.

Inhaltsverzeichnis

Im Gespräch mit dem Magazin „sgp Insider" sagte der CDU-Parlamentarier: „Es waren viele sachliche Argumente dabei, teilweise war es aber auch eine Art der Auseinandersetzung, die man sich nicht so sehr wünscht. Ich sehe das trotzdem positiv." Er habe vorher schon gewusst, dass man etwas für die Pflege tun müsse und den Koalitionsvertrag entsprechend ausgehandelt. Jetzt werde zwar darauf herumgeritten, dass 8.000 zusätzliche Pflegekräfte in der Altenpflege nicht genug seien, meinte der frischgebackene Vorsitzende des Gesundheitsausschusses. "Aber wenn wir gesagt hätten, wir brauchen jetzt 30.000 Kräfte mehr, dann wäre noch stärker die Diskussion aufgekommen: Wo sollen die denn herkommen? Nur deshalb haben wir uns auf die 8.000 festgelegt. Wohlgemerkt als Anfang. Wir müssen das kontinuierlich ausbauen."

Rüddel wollte 20.000 zusätzliche Stellen in der Altenpflege

Er selbst so sagt Rüddel, habe anfangs 20.000 zusätzliche Stellen gefordert. „Ich halte das in dieser Größenordnung persönlich auch für eher realistisch als die im Koalitionsvertrag festgeschriebenen 8.000." Die Altenpflege solle bis zum Ende der Legislaturperiode das Personal bekommen, das sie braucht. Es gehe aber auch um eine Ausbildungs- und Fortbildungsoffensive und darum, Aussteiger zurückzuholen - nicht zuletzt auch um bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen, so Rüddel gegenüber "sgp Insider". „Die ganze Twitter-Debatte hat letzt nicht nur mir, sondern auch vielen meiner Kolleginnenn und Kollegen vor Augen geführt, wie wichtig und dringend es ist, dass man jetzt konsequnent handelt."

Unter #twitternwierueddel schildern Pflegekräfte skandalöse Szene

In seinem Tweet hatte Rüddel die Pflegekräfte aufgefordert, positiver über ihren Job zu sprechen, um wieder mehr Menschen zur Rückkehr in die Pflege zu bewegen. Stattdessen setzten Hunderte unter dem Hashtag #twitternwierueddel Tweets ab, in denen sie skandalöse Bedingungen im deutschen Gesundheitssystem anprangerten. Da war etwa von Frühgeborenen die Rede, die nachts eine Magensonde bekommen, weil zwei Pflegerinnen nicht 22 Babys gleichzeitig füttern können. Eine Angehörige berichtete, wie ihre Oma einsam im Krankenhaus starb, weil die Mitarbeiter keine Zeit hatten, die Familie zu informieren. Und eine Pflegerin erinnert sich an ihre Ausbildung, in der sie sterbenden Menschen mit einer Spritze Flüssigkeit zwischen die zusammengepressten Lippen zwängen musste.

Rüddel hat seinen Tweet gelöscht

Es schien, als habe der CDU-Mann einen Auslöser betätigt, durch den sich die jahrelang aufgestaute Empörung Hunderter Pflegekräfte entladen konnte. Ein gefundenes Fressen für die Medien, die noch am selben Tag umfangreich über den Sturm der Entrüstung berichteten. Rüddel hat seinen Original-Tweet mittlerweile gelöscht. In einer Stellungnahme sagte er unmittelbar nach der Empörungswelle: „Mein Tweet sollte keine Anschuldigung gegenüber den Pflegekräften sein, sondern vielmehr darauf hinweisen, dass wir den Herausforderungen in der Pflege nur gemeinsam begegnen können. Die Reaktionen darauf zeigen allerdings, wie sensibilisiert die Menschen in der Pflege sind.“

Rüddels Original-Tweet

#Deal: Politik handelt konsequent und #Pflegende fangen an, gut über die #Pflege zu reden. Dann kommen viele wieder in die Pflege zurück und es beginnen #gutezeitenfürgutepflege

Autorin: Dana Bethkenhagen/Kati Borngräber/kig

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