Pflegekräfte und Grippe

Haben Sie eine Grippeimpfung? Die Frage ist erlaubt …

... wenn Leitungen in Klinik und Heim sie Pflegekräften und Ärzten stellen. Das geht laut Präventionsgesetz. Wir fragten sechs Klinikketten, wie sie es mit dieser Frage halten

Inhaltsverzeichnis

Ist das überhaupt möglich? Pflegekräfte und Ärzte stecken Patienten mit dem Grippevirus an – hat es so etwas überhaupt schon gegeben? Schließlich lässt sich eine Ansteckung nicht so sicher nachweisen wie etwa eine Maserninfektion.

Vier umstrittene Fälle in der Uniklinik Essen

Das Virologen-Ehepaar Hedwig und Michael Roggendorf zumindest führt den Tod von vier Patienten nach Knochenmarktransplantation an der Uniklinik Essen im Jahr 2008 zurück „auf die Folgen einer Influenza, die durch das Personal übertragen wurde“. Die beiden hatten anlässlich besagter Todesfälle eine Umfrage beim Personal gestartet und drei Jahre später in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift“ (DMW) das Fazit gezogen, dass das Grippevirus damals „vom Personal eingeschleppt“ worden sei. Rudolf Trenschel, Leitender Oberarzt der Klinik für Knochenmarktransplantation an der Uniklinik Essen bestreitet dies.

Präventionsgesetz von 2015 macht ernst

Fest steht in jedem Fall: Seit dem Präventionsgesetz von 2015 haben Klinik- und Heimleitungen ein hohes Interesse an geimpften Mitarbeitern. Denn jetzt dürfen sie nicht nur den Impfstatus ihrer Mitarbeiter erfragen: Sie sind auch verpflichtet, gegebenenfalls danach zu handeln. So müssten sie etwa einen nicht geimpften Mitarbeiter an einen anderen Arbeitsplatz schicken, wo Patienten oder Bewohner weniger gefährdet sind. Rein theoretisch könnten sich die Einrichtungen sogar strafbar machen, warnt die Deutsche Krankenhausgesellschaft, wenn die Ansteckung eines Patienten durch einen Mitarbeiter eindeutig nachgewiesen würde.

Dilemma für Kliniken und Heime

Doch Kliniken und Heime befinden sich in einer Zwickmühle: Sie können im Ansteckungsfall haftbar gemacht werden, da durch das neue Präventionsgesetz indirekt eine Impfpflicht entstanden sei. Doch der Gesetzgeber habe „null“ ausgeführt, wie der Arbeitgeber sie durchführen darf, berichtet eine Krankenhausbetriebsärztin, die anonym bleiben möchte. Das ist auch deshalb ein Dilemma, weil sich laut Robert-Koch Institut (RKI) nur gut 60 Prozent der Ärzte und gut 30 Prozent der Pflegekräfte gegen Grippe impfen lassen. Hauptschuld für die Impfmüdigkeit sind fehlendes Vertrauen in Sicherheit und Effektivität der Impfung.

Wie Agaplesion, Vivantes & Co. auf die Quasi-Impfpflicht reagieren

pflegen-online hat sich bei Klinikträgern umgehört, wie sie mit dieser Situation umgehen. Eines vorweg: Eine Versetzung von Mitarbeitern aufgrund fehlenden Grippe-Schutzes gab es in keinem der befragten Unternehmen.

Paracelsus: Jeder Vierte nutzt hauseigene Grippeimpfung

Paracelsus bewertet es als „ein beachtliches Ergebnis“ und eine „deutliche Steigerung“ der Teilnahmequote von 2017 auf 2018, dass ein Viertel der Mitarbeiter das betriebseigene Impfangebot genutzt habe. Agaplesion betont die „freiwillige soziale Leistung“ der Grippeimpfung, für die Betriebsmediziner, Arbeitsmedizinischer Dienst oder auch direkt die Krankenhäuser zuständig seien. „Bevor die ‚Grippewelle‘ anrollt, werden die Mitarbeitenden über das Angebot der Grippeschutzimpfung informiert.“

Asklepios bewirbt Grippeimpfung

Bei Asklepios seien „externe Betriebsärzte“ für den Impfschutz der Mitarbeiter zuständig. Ende September, Anfang Oktober werde die Grippeimpfung angeboten, die „seit letztem Jahr mit einer Kampagne aktiv beworben“ werde.

Vivantes bietet allen Vierfachimpfung an

Bei Vivantes bietet der betriebsärztliche Dienst jedes Jahr im Herbst allen Mitarbeitern die empfohlene Vierfachimpfung an.

Rhön-Klinikum: Überzeugung der Mitarbeiter zählt

Rhön-Klinikum betont ebenfalls die Freiwilligkeit der Impfung. Eine Erhebung zum Grippeschutz der Mitarbeiter gebe es nicht. Man fordere keine Impfpflicht, sondern unterstütze, kläre auf, biete sie über den betriebsärztlichen Dienst an. „Da die Grippeschutzimpfung auch Nebenwirkungen haben kann, würden wir in einer Güterabwägung die Überzeugung unserer Mitarbeiter vor eine Impfpflicht stellen“, heißt es aus der Unternehmenskommunikation.

St. Joseph-Stift in Bremen denkt über Anreizsystem nach

Bettina Meyer verantwortet den Betriebsärztlichen Dienst am St. Joseph-Stift in Bremen. Das katholische Krankenhaus gehört zur St. Franziskus-Stiftung in Münster. Zur Grippesaison schickt sie regelmäßige Informationen via E-Mail an alle Mitarbeiter, bietet offene Impfsprechstunden zweimal wöchentlich an sowie die Möglichkeit, einen Termin zu vereinbaren. Besonders sensible Bereiche erhalten eine gesonderte Ansprache. „Ob Vorgesetzte aktiv bei ihren Mitarbeitern den Impfschutz gegen Grippe abfragen, ist mir nicht bekannt“, sagt Meyer. Überlegt werde jedoch, in diesem Jahr „ein Anreizsystem“ für die Grippeimpfung zu etablieren.

Ameos: 80-prozentige Impfrate durch „Eichhörnchen-Kampagne“

Bei Ameos West (Alfeld, Bremen, Goslar, Hameln, Hildesheim, Holzminden, Petershagen) ist Kommunikationschef Gerald Baehnisch stolz, für die vergangenen Saison eine „über 50-prozentige Steigerung“ und damit eine rund 80-prozentige Impfrate der Mitarbeiter verkünden zu können. Der Grund dafür sei eine neue Marketingkampagne gewesen, in deren Mittelpunkt ein Eichhörnchen stand mit dem Slogan „Sei schlau und sorge wie ich vor!“

Was ein flauschiges Tier alles bewirken kann ...

Anlass für die Kampagne sei die starke Grippewelle im Vorjahr gewesen. „Wir haben die Werbung mit dem Eichhörnchen überall platziert, auch auf den Tischen beim Betriebsfest.“ Sogar eine als Eichhörnchen kostümierte Person sei über die Stationen spaziert und habe für die Impfung geworben. „Das flauschige Tier kam offenbar viel besser an als der erhobene Zeigefinger“, ist Baehnisch überzeugt und wertet die Kampagne (siehe Foto unten) – wohl zu Recht - als „tollen Erfolg“.

Autorin: Birgitta vom Lehn

Gruppenfoto (unten): Ameos

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