Reha für Heimbewohner

Pflegekräfte als Personal Trainer

Bei Domino-World gibt es für alle Bewohner ein Fitness-Programm. Frei nach Boris Becker: Das Spiel wird im Kopf entschieden

Inhaltsverzeichnis

„Den Morgenmantel können Sie zu Hause lassen. Bringen Sie bitte einen Jogginganzug mit.“ Das bekommen die Klienten von Domino-World vor dem Einzug beschieden. Der private Träger betreibt mit 800 Mitarbeitern (jährlicher Umsatz: 36 Millionen Euro) Pflegeheime und ambulante Dienste im Großraum Berlin. Sein Konzept: die Bewohner und Klienten wieder so fit wie möglich zu machen. „Wir machen quasi eine Rehabilitation light mit dem Geld einer Pflegeeinrichtung“, erklärt Vorstand Lutz Karnauchow.

Täglich eine Stunde Sport für alle Bewohner

Jeder Bewohner erhält pro Tag 30 Minuten individuelles Training und 30 Minuten Arbeit in der Gruppe. Außerdem können sie nötiges Sportgerät mit auf das Zimmer nehmen – um eigenständig zu üben. Hanteln zum Beispiel. Eine Mobilisation bei morgendlichen Toilette sei selbstverständlich, sagt Karnauchow. Physiotherapeuten arbeiten ergänzend zum Training mit den Klienten. Physiotherapeutische Methoden werden auch in die Ausbildung zum Domino-Coach unterrichtet.

Sportpsychologie spielt durchaus eine Rolle

Bei Einzug oder Aufnahme sprechen die Klienten mit einem Mitarbeiter darüber, was sie erreichen möchten: wieder gehen, wieder Treppensteigen können - oder, oder … Zudem visualisieren die Klienten ihren Wunsch. Sie malen Bilder, machen eine Collage. Das Ergebnis wird im Zimmer platziert, zur steten Erinnerung. „In unserem Konzept bedienen wir uns durchaus sportpsychologischer Erkenntnisse“, sagt Karnauchow. Frei nach Boris Becker: Das Spiel wird im Kopf entschieden. „Wir gehen auch nur joggen, weil wir uns etwas davon versprechen.“

Mobilisation: In den Stuhl setzen reicht nicht!

Es ist Zeit umzudenken: Stundenlanges Sitzen in einer Position ist für pflegebedürftige Menschen im Grunde nicht besser als Bettlägerigkeit.
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Gruppentherapie geht auch mit Demenz

Bei Demenz arbeitet Domino nach dem Modell von Naomi Pfeil. Und es zeige sich: So behandelt, zeigen sich die Menschen orientierter. Verwirrtheit sei meist ein erstes Symptom von Hospitalisierung, meit Karnauchow. Stark bewusstseinseingeschränkte oder komatöse Menschen kommen im Pflegerollstuhl mit in die Gruppentherapie, sie erhalten die gleiche Behandlung wie alle anderen. Auch kleine Preise schreiben die Macher aus: Für Trainingsfortschritte gibt es Urkunden, einmal im Jahr publiziert Domino kleine Erfolgsgeschichten. Die Bewohner sähen ihre Entwicklung wie einen sportlichen Wettbewerb.

Ein Personal Trainer (Domino-Coach) für jeden

Viele Mitarbeiter (Domino-Coaches) sind speziell ausgebildet. In einer halbjährigen intensiven Ausbildung erwerben sie

  • psychologische Kenntnisse und Fähigkeiten (wichtig für den therapeutischen Kommunikations- und Beziehungsprozess),
  • Kenntnisse, um geriatrische Reha-Prozesse planen und umsetzen zu können.

Hälfte der Pflegekräfte ausgebildete Coaches

Die Ausbildung schließt mit einer Prüfung ab. Bereits ausgebildete Coaches nehmen regelmäßig an Supervisionen teil. Die Hälfte der Pflegemitarbeiter bei Domino sind ausgebildete Coaches, die andere Hälfte Assistenten (Junior-Coaches). Ein Coach ist für circa sieben Klienten zuständig – und zwar im Sinne eines Personal Trainers.

Ja, das gibt es: Bewerber stehen Schlange

„Wir haben nicht mehr Personal als andere Einrichtungen“, sagt Karnauchow, „wir haben aber einen niedrigen Krankenstand und eine geringe Fluktuation.“ Auch arbeiteten sie seit Jahren nicht mehr mit Leihkräften, hätten selten freie Stellen. Laut Vorstand versucht die Einrichtung „wirklich alle Wünsche bei der Gestaltung des Arbeitsvertrags und Arbeitsmodells zu erfüllen. Aber natürlich arbeiten auch wir ganz normal im 3-Schicht-System.“ Was Karnauchow an dieser Stelle nicht erwähnt: Domino-World hat jahrelang bei Great-Place-to-Work mitgemacht und zuletzt Preise in drei unterschiedlichen Kategorien gewonnen - unter anderen in der Kategorie „Deutschlands Beste Arbeitgeber“.

„Verrückterweise bekommen wir das hin“

Nachdem die Entscheidung einst gefallen und das Konzept entwickelt war, fragten die damaligen Mitarbeiter den Vorstand: „Seid Ihr verrückt? Wie soll das denn gehen?“ Auch andere Einrichtungen hätten das Konzept sehr kritisch beäugt, erinnert sich Karnauchow. Heute arbeitet Domino erfolgreich. Und ja: „Natürlich müssen wir alle Zeitressourcen, die wir haben, nutzen“, sagt Karnauchow, „aber verrückterweise bekommen wir das hin.“

Einmal jährlich bringt Domino eine Broschüre namens „Erfolge des Sommers“ heraus. Darin finden sich Beispiele für Trainingserfolge.

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